Adolf von Baeyer - Biografie

Johann Friedrich Wilhelm Adolf von Baeyer,
geboren am 31. Oktober 1835 in Berlin.


Er stammte aus einer Familie, die sich sowohl in der Literatur als auch in Naturwissenschaften bewegte. Schon als Kind war Baeyer an chemischen Experimenten interessiert und im Alter von zwölf fand er ein neues Doppel-Salz aus Kupfer.

Baeyer widmete seine ersten beiden Jahren als Student an der Universität Berlin (1853-1855) vor allem Physik und Mathematik. 1856 jedoch weckte er wieder seine alte Liebe für die Chemie und es zog ihn zu Bunsen's Labor in Heidelberg. Seine Studien in Methylchlorid führte er in seinem ersten veröffentlichten Werk im Jahre 1857.

Während der nächsten Jahre arbeitete er in Kekulé's privaten Labor in Heidelberg. Baeyer´s Lebensarbeiten wurden bald durch die Umsetzung in die Tat von brillianten chemischen Theorien ein durchschlagender Erfolg. 1858 erhielt er in Berlin seinen Doktortitel für seine Arbeit an den Kakodyl-Verbindungen. Für die nächsten zwei Jahre arbeite Baeyer wieder mit Kekulé zusammen und bekam inzwischen den Professor.

Eine Studie von Harnsäure, die ihn auch zur Entdeckung der Barbitursäure führte, unterstütze die These, welche ihm zum Hochschullehrer im Jahre 1860 qualifizierte. Im gleichen Jahr wurde er Professor für Organische Chemie an der "Gewerbe-Akademie" in Berlin.

1866 wurde ihm auf Anregung von A.W. Hoffmann ein leitender Lehrauftrag an der Universität von Berlin verliehen, der aber unbezahlt war. Während der Berliner Zeit begann Baeyer den größten Teil seiner Arbeit, was ihn später berühmt machte.

1865 begann er seine Arbeit mit Indigo - der blaue Farbstoff faszinierte ihn seit seiner Jugend - und dies führte schnell zu der Entdeckung von Indolen und auf die teilweise Synthese von Indigocarmin. Seine Schüler Graebe und Liebermann präzisierten die Struktur von Alizarin mit Hilfe der "Zink-Staub-Destillation" (entwickelt von Baeyer) und erarbeiteten die industriell nutzbare Synthese.

In Studien wurden Kondensation-Reaktionen initiiert, nachdem Baeyer als Professor in Strassburg an die neu gegründete Universität (1871) wichtige Kategorien von Farbstoffen - Phthaleine - ans Licht gebracht hatte. Baeyer's Theorie der Kohlendioxid-Assimilation in Formaldehyd gehört auch zu dieser Zeit.

Nach dem Tod von Justus von Liebig im Jahre 1873 wurde Baeyer zu seinem "Lehrstuhl" in der Universität München berufen und baut dort über viele Jahre ein ausgezeichnetes neues chemisches Labor auf.

Während seiner Amtszeit in München kamen die Synthese von Indigo, sowie Arbeiten an Acetylen und Polyacetylene. Und aus diesem abgeleitet die berühmte Baeyer-Stamm-Theorie der Kohlenstoff-Ringe. Es gab Studien über die Verfassung von Benzol sowie umfassende Untersuchungen von Zyklischen Terpen. In diesem Zusammenhang wurde die Baeyer-Villiger-Oxidation von Ketonen entdeckt. Spezielles Interesse wurde durch seine Arbeiten über organische Peroxide und Oxonium-Verbindungen und der Zusammenhang zwischen Verfassung und Farbe erweckt.

Baeyer´s Arbeit war auf einmal Pionierarbeit und sehr einseitig.

Mit bewundernswerter Durchdringung und außerordentlichen experimentellen Geschick kombiniert er Verbissen- und Beharrlichkeit und, auch mit 70 Jahren, einen jugendlichen Auftrieb in seiner Arbeit.

Während Kekulé sich manchmal mit vorgefassten Meinungen der Natur näherte, sagte Baeyer:

"Ich habe nie ein Experiment gemacht, um zu sehen, ob ich Recht hatte, sondern um zu sehen, wie sich die Materialien verhalten".

Selbst im hohen Alter änderte er nicht seine Ansichten und sein Geist blieb offen für neue Entwicklungen in der chemischen Wissenschaft.

Die Ehrungen häuften sich, darunter der Nobelpreis für Chemie im Jahre 1905.

An seinem 50. Geburtstag wurde er zum erblichen Adelsstand.

Adolf von Baeyer heiratete Adelheid (Lida) Bendemann im Jahre 1868. Sie hatten eine Tochter - sie wurde die Frau von dem Chemiker Oskar Piloty - und zwei Söhne, beide Hochschullehrer, Hans in Medizin in München und Otto in Physik in Berlin.

Er war noch jung im Geist, als er einem Anfall in seinem Landhaus im Starnberger See am 20. August 1917 erlag.
Quelle: nobelprize.org